Uhrenduell Hatte diese Uhr einen Unfall – oder soll das so?
Wenn Uhren keine runde Sache sind oder quadratisch-praktisch, fallen sie direkt aus der Norm. Als gewagt zählen schon Modelle, wenn sie nur oval, gewölbt oder tailliert sind. Umso mehr Mut beweisen Marken, wenn sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vom Massengeschmack als Verkaufsgarant abweichen. Piaget und Cartier sind zwei solcher Manufakturen, die sich „was trauen“ – und gerade ihre verrückte Hippiezeit wieder aufleben lassen.
Schon während der Kulturrevolution der Swinging Sixties kreierten die beiden Avantgardehäuser überraschende Gehäuseformen, die bis heute polarisieren.
Die trapezförmige „Sixtie“ von Piaget stand bei ihrer Geburtsstunde 1969 für das Motto: „Etwas machen, was noch nie gemacht wurde“. Bei der Form ließ sich Piaget von der damaligen Mode inspirieren – Yves Saint Laurent war es, der in den 60er-Jahren mit seinem 1958 entworfenen Trapezkleid eine komplett neue Silhouette etablierte. Und die Uhrdesigner legten noch einen drauf, indem sie mit hauchdünnen Zifferblättern aus farbigen Schmucksteinen wie Türkis oder Malachit einen echten Hype auslösten.
Genau diese Talente vereint auch die jüngste Version der „Sixtie“: Mit anschmiegsamen Idealmaßen von 6,5 Millimeter Höhe punktet die Trapezform mit einer breit angeschrägten Lünette. Das verstärkt den Passepartout-Effekt für das Zifferblatt aus blau marmoriertem Quarzgestein. Dadurch ist jedes Exemplar ein Unikat, das – schön reduziert – nur die Stunden und Minuten anzeigt. Das 29 Millimeter große Gehäuse ist aus Roségold, mit platzsparendem Quarzwerk. Der Preis war schon in den Sixties hoch und liegt heute bei: 21.500 Euro.
Das Duell: Die Uhren im Vergleich
Cartier versucht, das Auge noch stärker zu irritieren. Beim Blick auf die neue „Crash Squelette“ aus der Sammlerkollektion „Privé“ ist man sich erst mal nicht sicher: Hatte die Uhr einen tragischen Unfall – oder soll das so? Die einen sehen in ihr ein verbeultes Gehäuse, das auf die Krone fiel. Die anderen ein Kunstobjekt als surrealistische Skulptur im Miniformat, Maßstab 45 mal 25 Millimeter. Das extrem eigenwillige Design stammt aus dem Jahr 1967, wurde aber damals kein Verkaufshit. Und genau das sorgte kürzlich für einen neuen Rekord: ein Vintagemodell von 1987, von dem wohl nur drei Exemplare verkauft wurden, kam für etwa 2 Millionen Dollar unter den Hammer (also nur im übertragenen Sinne) – die bisher teuerste Cartier-Uhr aller Zeiten.
Zufall oder nicht, nur knapp zwei Wochen vor der Auktion stellte die Manufaktur eine neue Platinvariante des Klassikers vor. Ihre Besonderheit: Weil sie ein skelettiertes Handaufzugswerk besitzt, das nicht wie üblich rund ist, sondern sich dem verzerrten Gehäuse anpasst, hat sie Cartier zum Patent angemeldet und auf 150 Exemplare limitiert. Ein Crashtest auch für den Geldbeutel: Mit 97.000 Euro ruft Cartier einen echten Liebhaberpreis auf.
Das Trauerspiel
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