Zulieferer in Nöten : ZF macht nur winzigen Gewinn

Die Krise der Autoindustrie belastet den Zulieferer aus Friedrichshafen. Immerhin zeigt das große Sparprogramm erste Erfolge.

Im Vorjahreszeitraum hatte der Verlust bei Deutschlands zweitgrößtem Zulieferer noch 195 Millionen Euro betragen. Frick zeigte sich optimistisch, dass ZF das Gesamtjahr mit schwarzen Zahlen abschließen wird. Unter dem Strich hatte der Konzern 2025 zwei Milliarden Euro Verlust ausgewiesen.

Vorstandschef Mathias Miedreich verwies darauf, dass das Sparprogramm sowie die Konzentration auf „wertschöpfende Produkte“ zu wirken beginnen. „Der Weg bleibt anspruchsvoll, doch jeder Schritt baut Altlasten ab und erweitert unseren Handlungsspielraum.“

Unprofitable Projekte werden aufgegeben

Im Zuge des Umbaus wurden unprofitable Projekte aufgegeben, die zum großen Teil aus der Ära von Miedreichs Vorvorgänger Wolf-Henning Scheider stammten, der von Autoherstellern Aufträge für elektrische Komponenten mit einem Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro einsammelte, dafür aber hohe Rabatte bei konventionellen Getrieben für Verbrennungsmotoren akzeptiert hatte. In diesem Zusammenhang wurden Bestellungen zurückgegeben, Konditionen neu verhandelt und Stückzahlen angepasst. Zeitweise wurde auch die Ausgliederung der E-Division in Erwägung gezogen. Das scheiterte aber unter anderem am erbitterten Widerstand der Belegschaft. Sie und das oberste Management hatten sich im vergangenen Sommer nach intensiven Gesprächen auf einen Plan verständigt, um den Bereich wieder profitabel zu machen.

Der Technologiekonzern steigerte bei sinkendem Umsatz die bereinigte operative Marge im ersten Halbjahr ⁠auf fünf Prozent, von 4,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg um 13 Prozent auf 964 Millionen Euro. Der ‌Umsatz sank nominell um zwei Prozent auf 19,3 Milliarden Euro, wuchs organisch jedoch um 0,5 Prozent. Der strikte Sparkurs spiegelt sich zudem im Personalabbau und geringeren Investitionen wider. Ende des ersten Halbjahrs beschäftigte ZF weltweit 149.675 Mitarbeiter, gut zwei Prozent weniger als Ende 2025.

In Deutschland ging die Zahl der Arbeitnehmer um ⁠mehr als vier Prozent auf 47.068 Beschäftigte zurück. ZF baut bis 2028 bis zu 14.000 von ehemals mehr als 50.000 Stellen in Deutschland ab. Die Schulden blieben mit rund 9,8 Milliarden Euro hoch – im ersten Halbjahr 2025 lagen sie noch bei 10,5 Milliarden. Diese zu senken, ist eines der Hauptziele von Miedreich, der seit Oktober Vorstandschef ist.

Zugleich kündigte Finanzvorstand Frick an, dass sich das Unternehmen bis auf Weiteres nicht von seiner Airbag- und Sicherheitssparte ZF Lifetec trennen wolle. „Denn wir sehen diese Sparte als erfolgreiches Geschäft mit attraktivem finanziellen Potential, insbesondere im global wachsenden Markt für passive Sicherheitssysteme.“ Unterdessen kommt es bei dem Konzern auch zu einer überraschenden Änderung im Vorstand. Sebastian Schmitt wird künftig den Bereich E-Division aus dem Gremium heraus verantworten.

Die Pkw-Antriebssparte war in der Vergangenheit in schwere Turbulenzen geraten. Im Zuge dessen wurde zugleich bekannt, dass Peter Holdmann, der dem Vorstand seit Mai 2024 angehört, Ende August aufhört, weil er „aus persönlichen Gründen keine Verlängerung seines Vorstandsvertrags anstrebt“. Er trägt für den Bereich Fahrwerkslösungen die Verantwortung. Der Manager war rund ein Vierteljahrhundert bei ZF unter Vertrag. Der Abgang kommt überraschend, weil Holdmann erst seit November 2025 auch die Konzernverantwortung für Forschung und Entwicklung übernommen hatte.