Konzern auf Sparkurs Autozulieferer ZF verdient wieder Geld

Der Autozulieferer ZF ist nach zwei Jahren mit Verlusten in Milliardenhöhe wieder knapp in der Gewinnzone angekommen. Im ersten Halbjahr verdiente der Konzern vom Bodensee unter dem Strich 122 Millionen Euro, wie ZF-Finanzvorstand Michael Frick mitteilte. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 195 Millionen Euro angefallen.

Vorstandschef Mathias Miedreich (51), der in Zukunft auch die Aufgaben des scheidenden Chassis-Vorstands Peter Holdmann (57) übernimmt , führte den Gewinnsprung auf Kostendisziplin, eine bessere operative Leistung und die stärkere Konzentration auf profitable Produkte zurück. „Der Weg bleibt anspruchsvoll, doch jeder Schritt baut Altlasten ab und erweitert unseren Handlungsspielraum“, hieß es in einer Mitteilung. Der Umsatz sank den Angaben nach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro, die operative Marge steigerte ZF im ersten Halbjahr auf 5 Prozent.

2025 hatte das Unternehmen aus Friedrichshafen tiefrote Zahlen geschrieben. Der Verlust hatte vor allem wegen eines Sondereffekts beim Konzernumbau 2,1 Milliarden Euro betragen. Auch 2024 schloss der Konzern mit einem Minus ab. Damals betrug der Verlust knapp über eine Milliarde Euro.

Sparkurs trägt erste Früchte

Miedreich verfolgt einen resoluten Sparkurs, der sich im ⁠Personalabbau ⁠und geringeren Investitionen widerspiegelt. Zum 30. Juni beschäftigte ZF weltweit 149.675 Mitarbeiter, gut 2 Prozent weniger als Ende 2025. In Deutschland schrumpfte die Belegschaft um mehr ‌als 4 Prozent auf 47.068 Beschäftigte. ZF baut ​bis 2028 bis ‌zu 14.000 von ehemals mehr als 50.000 Stellen in Deutschland ab. Hauptgrund dafür waren hohe Investitionen in die Elektromobilität, die sich wegen des langsamen Umstiegs der Kunden nicht auszahlten. Der Druck auf die ‌Zulieferer lässt nach Einschätzung von Experten nicht nach, weil sich der europäische Automarkt nur langsam erholt und insbesondere die deutschen Autobauer unter einer ‌Krise in China leiden.

Mit Blick ​auf das Gesamtjahr verwies ‌Finanzvorstand Frick auf ein weiterhin volatiles Marktumfeld und ausbleibende ‌Verbesserungen ​der Standortbedingungen in Deutschland und Europa. Dennoch bekräftigte der Konzern die Prognose eines Umsatzes auf Vorjahresniveau von ​38 Milliarden Euro und einer ⁠Marge von 4 bis 5 Prozent. Unter ​dem Strich hatte ZF im vergangenen Jahr zwei Milliarden Euro Verlust gemacht.

Airbag- und Gurtesparte bleibt im Unternehmen

Den Plan einer ‌teilweisen Trennung von der Airbag-Sparte ZF Lifetec sagte das Unternehmen ab. Fast vier Jahre lang hatte der Konzern über einen Börsengang oder einen Verkauf nachgedacht. Jetzt habe der Vorstand entschieden, dass das Geschäftsfeld ​bis auf Weiteres vollständig im Besitz ⁠von ⁠ZF bleiben werde, sagte Finanzchef Frick. Der Stiftungskonzern hatte ‌eine Ausgliederung im ​Herbst ‌2022 angekündigt. Es habe mehrere Kaufinteressenten gegeben. Doch für die von ZF bevorzugte Option eines ‌Teilbörsengangs habe sich in den vergangenen zwei Jahren kein ‌Zeitfenster geöffnet, ​erklärte Frick. ‌Mittlerweile sei das ‌Geschäft mit ​passiver Sicherheitstechnik durch neue Regulierungen weltweit attraktiver geworden.