Wirtschaft legt leicht zu : Mini-Wachstum trotz Irankrieg
Der erhoffte Aufschwung lässt auf sich warten, die Wirtschaft liegt im Bann internationaler Schocks. Immerhin gibt es einige Hoffnungsschimmer.
Die deutsche Wirtschaft hat trotz der Belastungen durch den Irankrieg im Frühjahr ein Mini-Wachstum geschafft. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,2 Prozent zu und damit etwas stärker als erwartet, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten errechnet hat.
Demnach nahmen die Exporte gegenüber dem Vorquartal zu. Die Konsumausgaben hingegen entwickelten sich den vorläufigen Erkenntnissen nach verhalten, die Investitionen gingen trotz staatlicher Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur sogar zurück.
Der erhoffte kräftige Aufschwung ist zumindest ausgebremst. Und die fragile Lage am Persischen Golf inklusive heftiger Schwankungen bei den Öl- und Gaspreisen bleibt eine Belastung für die von Rohstoffimporten abhängige deutsche Wirtschaft.
Zunehmend Hoffnungsschimmer
Jüngste Konjunkturdaten machen Hoffnung, dass sich Europas größte Volkswirtschaft weiterhin als widerstandsfähig erweisen wird: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft, die das Ifo-Institut regelmäßig ermittelt, hat sich im Juli den dritten Monat in Folge verbessert. Aus dem Ausland verzeichnete die Industrie nach jüngsten Daten mehr Aufträge für Waren „Made in Germany“. Zudem legten die deutschen Exporte im Mai den vierten Monat in Folge zu.
Den von der Bundesregierung eingeschlagenen Reformkurs wertet die Wirtschaft als Schritt in die richtige Richtung und fordert Tempo bei der Umsetzung. Die schwarz-rote Koalition hatte sich Anfang Juli auf ein Reformpaket geeinigt. Geplant sind etwa Maßnahmen zum Abbau von Bürokratie sowie zur Stabilisierung der Sozialabgaben. Steuerzahler sollen entlastet, Zukunftsbranchen gefördert werden. Beschlossen ist bereits ein Sparpaket bei der gesetzlichen Krankenversicherung.
Wie geht es weiter im Iran-Konflikt?
„Für den weiteren Konjunkturverlauf in der positiv gestarteten zweiten Jahreshälfte kommt es insbesondere auf die Entwicklung im Nahen Osten an“, ordnet Philipp Scheuermeyer ein, Konjunkturexperte bei der Förderbank KfW. „Der Wachstumskurs kann mit moderat erhöhten Energiepreisen weitergehen. Wenn die Energieausfuhr aus der Golfregion aber zu lange stockt, wird der Energiepreisschock doch noch schlagend werden.“
Dass die Stimmung in den Unternehmen ungeachtet aller Krisen zuletzt besser wurde, belegt nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer, „welches Erholungspotenzial vorhanden ist, falls sich die USA und der Iran einigten und die Straße von Hormus dauerhaft geöffnet würde“. Die für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtige Meerenge ist wegen des seit Ende Februar schwelenden Konflikts am Persischen Golf faktisch blockiert.
Einer Analyse der Bundesbank zufolge könnten die kriegsbedingten Belastungen für die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal geringer ausfallen als im Durchschnitt des zweiten Quartals - vorausgesetzt, die Situation im Nahen Osten spitzt sich nicht weiter zu. „Allerdings dürften sich dann auch die vorübergehend stützenden Faktoren aus dem zweiten Quartal umkehren oder entfallen. In der Summe könnte das BIP dann etwas schwächer zulegen“, prognostiziert die Bundesbank für den Sommer.
Spürbarer Aufschwung erst 2027 erwartet
Im ersten Vierteljahr 2026 hatte das BIP vor allem wegen höherer Exporte nach überarbeiteten Daten um 0,4 Prozent zugelegt. Nach dem überraschend guten Jahresauftakt war die Hoffnung groß, dass die deutsche Wirtschaft nach drei mageren Jahren wieder deutlich Fahrt aufnehmen würde. Auch deshalb, weil der Staat gewaltige Milliardeninvestitionen in Straßen, Schienen und Verteidigung angeschoben hat.
Mittlerweile wurden Wachstumsprognosen für das laufende Jahr reihenweise nach unten korrigiert, erwartet wird noch ein Plus von 0,5 Prozent oder etwas mehr. Einen spürbaren Aufschwung erwarten Ökonomen erst ab 2027, wenn die gewaltigen Summen, die der Staat in die Hand nimmt, ihre volle Wirkung entfalten.