Vor Aufsichtsratssitzung IG Metall protestiert gegen Sparpläne bei Volkswagen
Hitziger Schlagabtausch bei Volkswagen in Wolfsburg: Der Aufsichtsrat berät heute über neue Sparpläne des Konzernvorstands, IG Metall und Betriebsrat halten mit einem bundesweiten Aktionstag an allen Konzernstandorten dagegen. In Wolfsburg ist unmittelbar vor Beginn der Aufsichtsratssitzung eine Kundgebung geplant – direkt vor dem Vorstandshochhaus, in dem sich das Gremium dann trifft. Weitere Aktionen solle es an allen anderen Konzernstandorten in Deutschland geben, einschließlich der Töchter wie Audi, Porsche und MAN. In Stuttgart ist ein Autokorso geplant.
Konzernchef Oliver Blume (58) will den Sparkurs deutlich verschärfen. Nach Recherchen des manager magazins könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen , doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Laut SPIEGEL-Recherchen könnte die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen. Ab 2031 zunächst in Zwickau und Emden, 2032 bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover und 2034 bei Audi in Neckarsulm.
VW bestätigte bisher nur, dass der Konzernvorstand „intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens“ arbeite, nannte aber keine Details. Ziel sei eine „umfassende Transformation“. Nach Befassung des Aufsichtsrats solle dies in die Umsetzung gebracht werden. Bei den „Belief Audits“, einer Umfrage unter den Konzernmächtigen, sah eine deutliche Mehrheit der Aufsichtsräte Volkswagen als „existenzgefährdet“ .
Entsprechend engagiert diskutierten die zentralen Figuren des Aufsichtsrats wohl bereits in den vergangenen Tagen; heute geht es weiter. Eine mehrseitige Beschlussvorlage soll auf den Tisch. Dass alles durchkommt, scheint ausgeschlossen. Aber vielleicht findet man starke erste Ergebnisse: eine neue Struktur im Vorstand etwa, mit mehr Macht für die Zentrale? Ankündigungen, die ein oder andere Tochter zu verkaufen? Mehr Zeit für die Werke, um die gesetzten Kostenziele zu erreichen?
Die IG Metall hat massiven Widerstand gegen die Sparpläne angekündigt. IG-Metall-Chefin Christiane Benner (58) bezeichnete die Proteste als „ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!“ Die Beschäftigten hätten ihre Beiträge bereits geleistet, sagte sie mit Blick auf die Tarifeinigung Ende 2024. „Die ständigen Angriffe auf die Rechte der Kolleginnen und Kollegen nehmen wir nicht ohne Gegenwehr hin.“ Sie forderte Ideen und Konzepte, wie die Werke ausgelastet werden.
Laut IG Metall handelt es sich dabei nicht um einen Arbeitskampf. „Es sind Informations- oder Protestveranstaltungen und keine Warnstreiks“, heißt es in der Mitteilung. Bei Volkswagen gelte weiter die Friedenspflicht, Arbeitsniederlegungen seien daher zunächst nicht geplant.
Hitzige Debatte erwartet
Wenn das Kontrollorgan um 14.30 Uhr zusammenkommt, dürfte es eine hitzige Debatte werden. Denn neben den Arbeitnehmervertretern hat sich auch das Land Niedersachsen bereits ablehnend zu den Plänen geäußert. Werksschließungen seien keine Zukunftsstrategie, so Niedersachsens Vize-Regierungschefin Julia Willie Hamburg (40; Grüne).
Das Land ist mit 20 Prozent an VW beteiligt, Ministerpräsident Olaf Lies (59; SPD) und dessen Stellvertreterin Willie Hamburg sitzen dort im Aufsichtsrat. Zusammen mit den zehn Arbeitnehmervertretern sind sie in der Mehrheit – derzeit sogar deutlich, denn einer der eigentlich zehn Sitze der Kapitaleigner ist unbesetzt.
So lief es beim letzten Streit
Zuletzt war es bei VW 2024 zum heftigen Tarifstreit gekommen. Mehrmals legte die IG Metall mit Warnstreiks die Produktion lahm. Auch damals standen Werksschließungen und Stellenabbau im Raum. Erst kurz vor Weihnachten kam es nach einem einwöchigen Verhandlungsmarathon zum Kompromiss. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen, der Stellenabbau erfolgt vorwiegend über Altersteilzeit und Abfindungsprogramme.
Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
Darum will VW jetzt schon wieder sparen
Die Ende 2024 vereinbarten Sparmaßnahmen reichten angesichts der sich verschärfenden Rahmenbedingungen nicht mehr aus, so Blume. Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz sorgten für Gegenwind, so der Konzernchef.
- Eskalation bei VW und Audi: Volkswagen will bis zu 100.000 Stellen streichenVon Michael Freitag7 Min7 Min
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Das bisherige Geschäftsmodell von VW, in Europa zu entwickeln und zu produzieren und weltweit zu verkaufen, funktioniere daher nicht mehr. Der Konzern müsse sich neu aufstellen und die Kosten weiter senken. „Wir werden jeden Stein umdrehen“, kündigte Blume bereits im Frühjahr an. Jetzt legt er dem Aufsichtsrat die Ergebnisse vor.