Weltgrößter Chip-Auftragsfertiger TSMC mit fünftem Rekordgewinn in Folge – Aktie sinkt dennoch
Die wachsende Nachfrage nach KI-Prozessoren verhilft TSMC zum fünften Rekord-Quartalsgewinn in Folge. Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger hob am Donnerstag auch seine Gesamtjahresziele an. Die Nachfrage werde bis mindestens 2030 stark bleiben. Das taiwanische Unternehmen prognostizierte zudem höhere Investitionen und stellte den Bau zusätzlicher Fabriken in den USA in Aussicht.
Der wertvollste börsennotierte Konzern Asiens steigerte den Überschuss im zweiten Quartal um 77 Prozent auf umgerechnet 19,15 Milliarden Euro. Das waren etwa zwei Milliarden Euro mehr als von Analysten erwartet und der neunte zweistellige prozentuale Anstieg in Folge. Zu Wochenbeginn hatte TSMC ein Umsatzplus von 36 Prozent auf knapp 35 Milliarden Euro bekanntgegeben. Im laufenden Quartal würden die Erlöse voraussichtlich zwischen 38,9 und 40 Milliarden Euro liegen, ergänzte das Unternehmen am Donnerstag. Das wären etwa 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen ein Wachstum von 40 statt 30 Prozent.
Aktie fällt trotzdem
Die in Frankfurt notierten TSMC-Aktien gaben dennoch mehr als 2 Prozent nach. „Trotz starker Gewinn- und Umsatzsteigerung bleibt die Skepsis der Investoren über die weitere Entwicklung im KI- und Rechenzentrumsgeschäft vorhanden“, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses CMC Markets. Vergangene Woche hatten enttäuschende Zahlen des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers Samsung ebenfalls Ängste vor einem Abflauen des KI-Booms geschürt und Technologiewerte weltweit unter Druck gesetzt. Trotz der aktuellen Kursrücksetzer notieren TSMC-Titel immer noch etwa 60 Prozent über dem Niveau zu Jahresbeginn und sind mehr als doppelt so teuer wie im vergangenen Sommer.
Der Chipfertiger gehört nach einer Aktienkursrallye von fast 120 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten inzwischen zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Aktuell ist der Konzern an der Börse umgerechnet knapp zwei Billionen Dollar wert. Damit liegt TSMC als erster nicht-amerikanischer Konzern hinter Nivdia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon auf Rang sechs.
Der Zulieferer der Elektronikindustrie will 2026 umgerechnet 52 bis 56 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten stecken. Das sind 14 Prozent mehr als bislang geplant. Als Grund nannte TSMC unter anderem gestiegene Preise für Maschinen. Am Mittwoch hatte ASML, der weltgrößte Anbieter von Anlagen zur Chip-Produktion, seine Prognosen angehoben und einen Rekord-Jahresumsatz in Aussicht gestellt.
Vier neue Werke in den USA
Als Reaktion auf die hohe Nachfrage will TSMC mittelfristig unter anderem weitere 100 Milliarden Dollar in den USA investieren. Diese Summe kommt zu den bereits angekündigten 165 Milliarden Dollar für den Bau mehrerer Werke im Bundesstaat Arizona hinzu. Dort könnten dem Chip-Auftragsfertiger zufolge vier zusätzliche Fabriken entstehen.
Der wichtigste Wachstumstreiber für das Unternehmen, das den weltgrößten Halbleiter-Konzern Nvidia und den iPhone-Anbieter Apple zu seinen Kunden zählt, ist das Geschäft mit modernen Hochleistungschips. Diese steuern inzwischen etwa ein Viertel zum Gesamtumsatz bei. Im dritten Quartal 2023 hatte der Anteil bei lediglich 6 Prozent gelegen. Früheren Aussagen des Konzernchefs C.C. Wei (73) zufolge arbeitet TSMC an der Kapazitätsgrenze. Er schloss Preiserhöhungen nicht aus, drastische Anhebungen, wie sie in den vergangenen Monaten bei Speicherchips zu beobachten waren, lehnte er dagegen ab.
Erst am Vortag hatte der Chipausrüster ASML die Markterwartungen für das zweite Quartal übertroffen und seine Jahresziele erneut angehoben. Der Umsatz erreichte 9,3 Milliarden Euro und der Nettogewinn 2,9 Milliarden, erklärte der niederländische Konzern am Mittwoch.