Der Tag im Überblick Kurswechsel bei SAP und Porsche in der Dauerkrise
Einbrechende Verkaufszahlen, Jobabbau, wohin man schaut. In der Wirtschaft – und nicht nur da – ist Optimismus derzeit Mangelware. Umso nötiger sind erfahrene Führungskräfte, die Mut machen und konkrete Szenarien aufzeigen, wie es besser geht.
Genau das hat der frühere Opel-Chef und Volkswagen-Chefstratege Thomas Sedran (61) gerade in unserem Talkformat manage:mobility live gemacht. Seine These: Ohne harte Entscheidungen wird es nicht gehen. Aber auch: Eigentlich haben wir in Deutschland eine Menge Assets, die auch in Zukunft wertvoll sein können. Auch der anstehende Generationswechsel könnte helfen. „Wir können in Deutschland die Wende schaffen“, so Sedran.
Wie das gehen soll und wie das so mit „One-Way Door“ und „Two-Way Door Decisions“ ist, können Sie hier nachlesen oder sich die Aufzeichnung ansehen. Dass Theorie und Praxis oft noch auseinanderklaffen, lässt sich gerade bei Sedans ehemaligem Arbeitgeber Volkswagen beobachten, bei dem heute der Aufsichtsrat tagt.
Vorbild Tech? Autoveteran und Berater Thomas Sedran warb bei manage:mobility live für mehr Tempo
Foto:Holger Hollemann / dpa / picture alliance
Die Wirtschaftsnews des Tages:
Sparkurs allenthalben: Auch bei Porsche läuft es derzeit nicht mehr. Neue Zahlen verdeutlichen einmal mehr, wie ernst die Lage ist. So ging der Porsche-Absatz im ersten Halbjahr 2026 weltweit um 16 Prozent zurück. In China lag das Minus sogar bei 32 Prozent.
Rüstung boomt, davon will auch der Kölner Motorenbauer Deutz profitieren. Und für 1,6 Milliarden Euro die FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH aus Schleswig-Holstein übernehmen. Ein Unternehmen, das den Angaben zufolge Schützenpanzer, Mannschaftstransporter und andere Militärfahrzeuge produziert. Es ist nicht der erste Rüstungszukauf der Traditionsfirma.
Auch die Papenburger Meyer Werft denkt groß und will für die Schweizer Reederei MSC Cruises Kreuzfahrtschiffe für bis zu 10 Milliarden Euro bauen. Unterstützung bekommen die Schiffsbauer dafür vom Bund, der sich bereit erklärt hat, den Großauftrag mit einer Bürgschaft abzusichern.
Der Umsteiger des Tages:
Umsteigen muss – wenn auch nicht ganz freiwillig – SAP-Chef Christian Klein (46). Allerdings eher im politischen Sinne. Dem SAP-Chef waren die EU-Wettbewerbsschützer auf die Pelle gerückt. Die Behörde um Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera (57) hatte Sorge, dass die Walldorfer Wettbewerber behindern. Vorwürfe, die dem Softwarehaus auch in den USA noch immer Ärger bereiten. In Europa hat SAP nun eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, um die Bedenken zu zerstreuen, und ist so erst einmal einer Kartellstrafe entkommen. Kunden mit eigenen Rechenzentren sollen künftig leichter zu konkurrierenden Wartungsdienstleistern wechseln dürfen. Wie so oft: alles eine Gratwanderung.
Ist einen Ärger schon mal los: SAP-Chef Christian Klein hat sich mit den EU-Wettbewerbshütern auf Zugeständnisse geeinigt
Foto: Ronny Hartmann / AFPWas Sie in Ihrer Karriere voranbringt:
Empathische Führung ist derzeit ein großes Thema. Wenn aber das Bemühen um Empathie zum undifferenzierten Kuschelkurs wird, können Unternehmen dadurch massiv Schaden nehmen, weil so unliebsame, aber nötige Entscheidungen vermieden und leistungsfähige Mitarbeiter demotiviert werden. Was unterscheidet zugewandte, gute Führung von übertriebener Harmonie? Und wie lassen sich Mitarbeiter mit ehrlichem Feedback dazu motivieren, ihr Potenzial auch tatsächlich auszuschöpfen? Diese Fragen beantwortet der aktuelle Beitrag meiner Kollegen vom Harvard Business manager.
Meine Empfehlung für den Abend:
Stromtanke: Chargepoint will in Europa angreifen
Foto: ChargePointDas Ladegeschäft war schon mal einfacher: Zwar treibt der immer wieder aufflammende Irankrieg die Benzinpreise hoch. In den USA allerdings hat die Branche dank US-Präsident Donald Trump (80) mit massivem Gegenwind zu kämpfen. Und jetzt drängt auch noch die Chinakonkurrenz immer stärker ins Geschäft. Rick Wilmer (64), Chef des US-Ladesäulenherstellers Chargepoint, ist dennoch optimistisch. Warum er trotz massiven Gegenwindes auch für die USA Hoffnung hat und wie sich der Westen gegen China aufstellen sollte, legt er in einem Interview mit meinem Kollegen Christoph Seyerlein dar. Seine Überzeugung: Am Ende setzt sich das bessere Produkt durch. Oder wie Ex-Opel-Chef Thomas Sedran es formulierte: „Never waste a good crisis.“
In diesem Sinne, Ihnen einen schönen Abend
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