Anhaltender Kursrutsch Speicherchiphersteller verlieren 1,5 Billionen Dollar Börsenwert
Schon wieder starke Geschäftszahlen, schon wieder Verluste am Aktienmarkt: Der südkoreanische Chipkonzern SK Hynix konnte seinen operativen Gewinn im abgelaufenen Quartal um mehr als das Sechsfache auf den Rekordwert von umgerechnet 36,73 Milliarden Euro steigern.
Doch Analysten hatten mehr erwartet. Die Folge: Die Aktie von SK Hynix brach an der Börse in Seoul um bis zu 20 Prozent ein. Das Schema ist nicht neu in der Speicherchipbranche, auch andere Hersteller erlebten in den vergangenen Wochen Ähnliches.
Hohe Nervosität am Markt
Die Kursreaktion zeigt, wie groß die Nervosität unter Investorinnen und Investoren beim Thema Computerchips und künstliche Intelligenz weiterhin ist. Seit Wochen fallen in dem Sektor die Kurse.
Zuvor waren die Aktien der Hersteller von Speicherchips monatelang rasant im Wert gestiegen. Der Grund war eine plötzliche Nachfrage großer KI-Player wie Amazon oder Microsoft, die die Chips für ihre Large-Language-Modelle benötigen. So waren die Preise für Speicherchips geradezu explodiert und mit ihnen die Gewinne von Herstellern wie SK Hynix, Samsung oder Micron, sowie eben auch deren Aktienkurse.
Mehr als 1,5 Billionen Dollar Börsenwert vernichtet
Seit Mitte Juni ist der Trend jedoch umgeschlagen, Investoren haben sich aus dem Sektor zurückgezogen. Eine Berechnung des manager magazins zeigt: Allein die drei großen Player SK Hynix und Samsung aus Südkorea sowie Micron aus den USA haben im Zuge der Korrektur zusammen bereits mehr als 1,5 Billionen Dollar an Börsenwert verloren. Die Aktie des deutschen Halbleiterherstellers Infineon verlor seit Mitte Juni mehr als 30 Prozent an Wert.
Gewinnmitnahmen, gehebelte Investments, Unsicherheit
Für die Kursrückgänge gibt es verschiedene Gründe. Gewinnmitnahmen dürften eine erhebliche Rolle spielen. Die meisten Aktien der Branche sind zuvor so stark angestiegen, dass sie auch nach den Verlusten der vergangenen Wochen noch komfortabel im Plus notieren.
Hinzu kommt der Einfluss gehebelter Investments. Viele Indexfonds (ETFs) haben unter Einsatz von Fremdkapital in den Chipsektor investiert. Das vergrößert, solange es gut läuft, die Gewinne. Umgekehrt wird durch den Leverage-Effekt aber im Abschwung auch das Tempo beschleunigt. Marktexperte Stephen Innes etwa verweist auf eine Korrektur bei gehebelten Anlageprodukten für KI-Investments, die Druck auf den Sektor ausübe. Dieser Prozess könnte nach seiner Einschätzung noch eine Weile andauern.
Auch die Frage, inwieweit die großen KI-Unternehmen wie Meta, Google oder Microsoft generell weiterhin an ihren gigantischen Investments in den Bereich festhalten, spielt eine Rolle. „Es herrscht Sorge, dass die Technologiekonzerne bei ihren Investitionen in KI-Infrastruktur eine Pause einlegen“, begründete etwa Analyst Lee Min-hee vom Finanzdienstleister BNK Investment den Umschwung.
Kimi K3 mischt den Markt auf
Außerdem belastete kürzlich einmal mehr eine Innovation aus China den Markt: Das vom Amazon-Konkurrenten Alibaba unterstützte chinesische Start-up Moonshot AI präsentierte sein neues Sprachmodell „Kimi K3“. Nach eigenen Angaben soll es mit den Spitzenmodellen der US-Konkurrenten OpenAI und Anthropic in einer Liga spielen. Beobachter zogen bereits Parallelen zum sogenannten „DeepSeek-Moment“ Anfang 2025, denn auch dieses Mal gerieten die Aktien westlicher KI-Firmen erheblich unter Druck.
Marktbeobachter sprechen bereits von einer anhaltenden Rotation am Aktienmarkt, heraus aus dem Chipsektor und hinein in defensivere Bereiche wie etwa Gesundheitsunternehmen. Der Branchenindex MSCI World Health Care etwa verbucht seit Anfang Juni ein Plus von mehr als 20 Prozent.
Eine solche Rotation könnte sich in den Portfolios vieler Investorinnen und Investoren bemerkbar machen, auch wenn sie nicht gezielt in den Chipsektor investiert haben. Denn der Anteil dieser Branche auch an breit angelegten Indizes wie dem S&P 500 an der Wall Street war durch die Kursgewinne zuletzt signifikant gestiegen . Auch solche Indizes dürften also durch die Verluste der Chipfirmen erhebliche Einbußen erleiden.