Der Dienstag im Überblick Comeback der Tante-Emma-Läden, KI-Alarm und Flucht aus Dubai

Mit Slim Fit ist das so eine Sache, auch bei Luxusmode. Die Klamotten sehen cooler aus, passen aber nur jungen, durchtrainierten Menschen mit oft kleinerem Budget. Die älteren Premiumkunden haben meist mehr Geld, aber auch mehr Bauch: Comfort fit. Umso bemerkenswerter ist der Schritt des Luxus-Topmanagers Michael Kliger (59), der mit dem Online-Luxushändler Mytheresa die Komfortzone verlassen hat. Statt die erfolgreiche Plattform als CEO entspannt weiterzusteuern und sich im Erfolg zu sonnen, übernahm Kliger den doppelt so großen Rivalen YNAP vom Schweizer Luxusriesen Richemont – und damit die Marken Net-a-Porter, Mr. Porter und Yoox.

Für Kliger der Deal seines Lebens – und ein gewaltiges Risiko, wie mein Kollege David Baldysiak schreibt. Bei Mytheresa ging es um Wachstum, im neuen Multimarkenreich namens LuxExperience muss Kliger erst einmal sanieren, sparen und auf Fitness trimmen. Warum sich Kliger diesen Stress antut, um das „Epizentrum für globalen Luxus“ nach Deutschland zu holen? Die Antwort finden Sie hier: Wie der riskante Umbau des Luxusshops Mytheresa gelingen soll.

Saus und Braus: Für LuxExperience-Chef Michael Kliger gehören Galas zum Job

Foto: [M] Roger Kisby / WWD / Getty Images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Spardruck übersetzt in Zahlen: Das operative Ergebnis der Pkw-Sparte von Mercedes ist im zweiten Quartal um 94 Prozent eingebrochen. Auch diese Zahl hat CEO Ola Källenius (57) im Hinterkopf, wenn er vom „harten Konkurrenzkampf“ spricht. Wie sich Källenius aus der Krise herauskämpfen will und warum die Mercedes-Aktie am Dienstag kräftig zulegte, lesen Sie hier.

  • Der Pharmakonzern Johnson & Johnson will einen jahrelangen Rechtsstreit mit einer Zahlung von 5,5 Milliarden Dollar begleichen. Im Mittelpunkt des Streits steht ein Babypuder, das mit Asbest verunreinigt gewesen sein soll.

  • Chipaktien? Sind derzeit im Ausverkauf. KI-Aktien? Ebenso. Der Techindex Nasdaq hat seinen Kursrutsch beschleunigt, Anleger bevorzugen Aktien aus anderen Branchen.

Der Absteiger des Tages:

  • Dubai hat seinen Nimbus als Traumziel verloren. Das segelförmige Luxushotel „Burj Al Arab“ wurde Ende Februar von Drohnentrümmern getroffen und ist nun geschlossen. Die künstliche Insel Palm Jumeira, Sinnbild für Dubais Bekenntnis zum Tourismus, ist aktuell kaum ausgelastet, in den Kanälen steht das Wasser und riecht oft schlecht. In der Metropole, die im Vorjahr noch rund 20 Millionen Touristen zählte, sind seit Beginn des Irankriegs Besucherzahlen und Zimmerpreise eingebrochen. Um sich den berühmten „Dubai-Schnupfen“ zu holen, der durch den Wechsel zwischen klimatisierten Shopping-Malls und 40 Grad Außentemperatur entsteht, müssen Besucher derzeit deutlich weniger Geld ausgeben. Mein Kollege Theodor Harzer berichtet, mit welchem Masterplan Dubai die Touristen zurückgewinnen will .

Nach Drohnenbeschuss: Dubais ikonisches Luxushotel „Burj Al Arab“ ist derzeit geschlossen

Foto: New / REUTERS

Was Sie in Ihrer Karriere voranbringt:

  • Nicht nur Hotelmanager in den Emiraten ringen derzeit um Vertrauen. Auch Unternehmenslenker müssen ihren Kunden, Zulieferern und Mitarbeitern signalisieren: Auf uns könnt ihr euch verlassen. Denn wer in Krisenzeiten zu seinen Zusagen steht, gewinnt Vertrauen – und das zahlt sich langfristig aus. Wie Sie unruhige Zeiten als Chance nutzen .

Meine Empfehlung für den Abend:

Neuanfang: Nach der Zerschlagung von Tegut startet Thomas Gutberlet mit Dorfläden durch. Die 24/7 geöffneten „Smart Stores“ stärken nicht nur die Dorfbewohner, sondern auch die Grundstückspreise in der Region

Foto: Severin Wohlleben / manager magazin
  • Willkommen in Mansbach, Osthessen. Rund 1000 Einwohner, viel Grün, kein Aldi, Lidl oder Rewe weit und breit. Für den Ex-Chef der Supermarktkette Tegut, Thomas Gutberlet (56), ist Mansbach ein idealer Standort: ein Dorf, in dem der Tante-Emma-Laden ein Comeback feiert. An der Spitze der Bewegung steht das von Gutberlet geführte Start-up Tante Enso: Der kleine Dorfladen ist 365 Tage im Jahr rund um die Uhr geöffnet, es gibt frisches Gemüse, Steaks, Milch, Bier, Brot und Marmelade zum Discountpreis. Kein Mansbacher und keine Mansbacherin sind mehr gezwungen, entweder zu hungern oder 30 Kilometer Auto zu fahren: Dank moderner Technik werden die kleinen „Smart Stores“ mit Scanner am Eingang wieder lukrativ. Mein Kollege Martin Mehringer erklärt, warum Tante Enso nicht nur auf Self-Service-Kassen, sondern auch auf ein Genossenschaftsmodell der Dorfbewohner setzt – und wie die Nischenplayer dafür sorgen, dass Lebensmittelriesen auch künftig auf Abstand bleiben. Tante Enso – die Rückkehr der Dorfläden.

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