Wolfsburg vor dem Showdown

Es ist der traditionelle Treffpunkt des Volkswagen-Aufsichtsrats: Wolfsburg, Markenhochhaus, Sitzungssaal im dritten Stock. Hier haben ganze Generationen von Managern und Betriebsräten die heftigsten Kämpfe ausgefochten, und auch am Donnerstag dürften hinter der schweren Holztür konträre Positionen aufeinanderprallen. Vorstandschef Oliver Blume will seinen Plan zur Sanierung und zur Zukunft des krisengeplagten Autokonzerns vorstellen, und schon vor Beginn der Sitzung am Nachmittag wird die IG Metall an allen Standorten des VW-Konzerns in Deutschland erste Protestaktionen starten. Die Bilder werden an den Widerstand der Arbeitnehmervertreter gegen die jüngste Sparrunde vor knapp zwei Jahren erinnern. Die F.A.Z. zeigt die Schlüsselfiguren – und welche Rolle sie im Ringen um die Zukunft von Volkswagen spielen.

Oliver Blume – Bewährungsprobe für den Konzernchef

Oliver Blume stammt aus Braunschweig und fühlt sich den Menschen in der Region eng verbunden. Manche im VW-Konzern finden: zu eng. Der Vorstandschef sei zu weich und gebe dem Druck der Arbeitnehmervertreter in Wolfsburg zu stark nach, heißt es vor allem bei Hardlinern im Management und in den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. Blume steht nun unter dem Druck, das Gegenteil zu beweisen. Schon die bislang beschlossenen Einsparungen im Konzern seien tiefgreifend und zeigten Wirkung, betont er immer wieder. Und wenn das Management jetzt noch einmal nachlege, habe VW das Zeug dazu, „das attraktivste Automobilunternehmen der Welt zu sein“ – so formulierte es der 58 Jahre alte Manager jüngst in der F.A.Z.-Podcastserie „Die VW-Story“.

Als Reaktion auf Trumps Zölle, chinesische Wettbewerber und eine stagnierende Nachfrage will er den Konzern neu ausrichten. Die Führung soll effizienter und das Modellangebot kleiner werden. Bis zu 60.000 weitere Stellen könnte VW global streichen, zusätzlich zum beschlossenen Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen in Deutschland. Die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm könnten schließen, so die Drohung an die Gewerkschaft IG Metall. Gleichzeitig beteuert Blume, dass es „intelligentere“ Lösungen gibt, als unterausgelastete Fabriken einfach dichtzumachen: Deutsche Werke könnten Autos chinesischer Partner oder Technik für die Rüstungsbranche bauen. Für manche im Unternehmen ist das allerdings kaum mehr als ein Hoffnungswert. Zusätzlich beschädigt sehen sie Blumes Autorität durch das Desaster bei Porsche. Dort hatte er als Vorstandschef viel zu schnell auf Elektro umgestellt. Sein Nachfolger in Stuttgart, Michael Leiters, muss nun aufräumen – mit harten Einschnitten für die Porsche-Belegschaft.