Stütze der Preishausse Interesse von Zentralbanken an Gold lässt nach
„Erratum notice, issued July 2026“, steht auf der Website des World Gold Council (WGC) , eigentlich recht unauffällig. Doch die Korrektur, die der Branchenverband der Goldindustrie damit anzeigt, hat es in sich: Statt 244 Tonnen, wie im April bekanntgegeben, haben die Zentralbanken in den ersten drei Monaten dieses Jahres lediglich rund 57 Tonnen gekauft. Eine Reduzierung um mehr als 76 Prozent also. Das ist das geringste Einkaufsvolumen dieser institutionellen Käufergruppe in einem ersten Quartal seit 15 Jahren.
Die Korrektur machte der WGC an diesem Donnerstag zusammen mit den Zahlen für das erste Halbjahr publik. Demnach lag die gesamte Goldnachfrage weltweit in den ersten sechs Monaten bei 2522 Tonnen im Wert von 380 Milliarden Dollar, ein Anstieg um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Käufe der Zentralbanken zogen im zweiten Quartal wieder kräftig an, auf 288 Tonnen. Sie lagen damit auch deutlich über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Insgesamt – inklusive des schwachen ersten Quartals – hat das Interesse der Zentralbanken aber im ersten Halbjahr mit einem Kaufvolumen von etwa 345 Tonnen gegenüber 415 Tonnen im Vorjahr merklich nachgelassen.
30 Prozent Wertverlust seit Jahreshoch
Für den Goldmarkt kann das von ziemlicher Bedeutung sein. Zentralbanken weltweit galten in den vergangenen Jahren als wichtige Stütze der Goldpreishausse. Der Goldpreis war bis Anfang dieses Jahres auf Rekordniveau gestiegen. Seither ging es abwärts. Seit dem Hoch Anfang März dieses Jahres hat Gold in der Spitze beinahe 30 Prozent an Wert verloren. Aktuell notiert die Feinunze (rund 31 Gramm) bei 4076 Dollar.
Vor allem in den Jahren 2022 bis 2024 stockten Zentralbanken ihre Bestände massiv auf, mit Kaufmengen von mehr als 1000 Tonnen in jedem der drei Jahre. Als Hintergrund gilt der Wunsch – vor allem in Schwellenländern – Finanzreserven vom US-Dollar und westlichen Einflüssen unabhängig zu machen. Ein Schlüsselmoment war dabei wohl der Zugriff des Westens auf die Auslandsreserven Russlands nach dessen Angriff auf die Ukraine, durch den Geldwächter in vielen Ländern offenbar aufgeschreckt wurden.
Die Korrektur der Zahlen des WGC für das erste Quartal zeigt auch, wie intransparent dieser Teil des Goldmarktes nach wie vor ist. Manche Zentralbanken veröffentlichen ihre Transaktionen, aber längst nicht alle. China etwa ist bekannt dafür, lediglich einen Teil seiner Aktivitäten publik zu machen.
„Es ist ein bisschen wie ein Katz-und-Maus-Spiel“
„Fehler wie dieser kommen von Zeit zu Zeit vor“, sagte John Reade, Marktstratege beim WGC, gegenüber der „Financial Times“. Der Branchenverband stützt sich demnach auf Daten des Beratungsunternehmens Metals Focus, das vierteljährlich eine Schätzung der offiziellen Käufe erstellt, bei der öffentliche Angaben mit Marktquellen kombiniert werden.
Die Qualität der öffentlichen Angaben habe seit 2022, als die Zentralbankkäufe anstiegen, abgenommen, so Reade. Zwar habe der WGC daraufhin neue Methoden zur Verfolgung der Goldströme eingeführt. Doch könnten auch die Zentralbanken ihr Kaufverhalten ändern, sobald sie wüssten, welche Datenpunkte beobachtet würden. „Es ist ein bisschen wie ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagte der WGC-Stratege.
Nicht nur das Interesse der Zentralbanken am Gold ließ indes im ersten Halbjahr nach. Die plötzliche Umkehr des Preistrends sorgte offenbar auch bei Investorinnen und Investoren für einen Stimmungsumschwung. Sie zogen im zweiten Quartal 2026 weltweit netto insgesamt 45 Tonnen aus goldgedeckten ETFs ab, so der WGC. Die Indexfonds sind damit der einzige Nachfragesektor in der Quartalsbilanz des Verbands mit einem negativen Saldo.