Gemeinschaftsunternehmen : Bayer holt sich Finanzspritze von Apollo

Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern hat seit der Monsanto-Übernahme hohe Schulden. Frisches Kapital kommt jetzt von einem Finanzinvestor.

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer beteiligt den Finanzinvestor Apollo an einem neuen Gemeinschaftsunternehmen und bekommt dafür im Gegenzug eine Finanzspritze in Milliardenhöhe. Drei Milliarden Euro Eigenkapital fließen dem Leverkusener Dax-Konzern zu, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.

Von Apollo verwaltete Fonds und Tochtergesellschaften bekommen dafür eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva (LARC) einbringt. Die operative Kontrolle über das Geschäft und die Mehrheit an der Gesellschaft will Bayer indes behalten. Die Beteiligung soll auch nichts an der Strategie des Geschäfts mit den Verhütungsmitteln ändern, es soll Teil der Pharmadivision bleiben und vollständig im Konzernabschluss konsolidiert werden.

Als eine „strategische Finanzierungslösung, die unsere Kapitalstruktur stärkt“, bezeichnete Judith Hartmann das Geschäft. Hartmann verantwortet seit 1. Juni die Finanzen im Vorstand von Bayer, als Nachfolgerin von Wolfgang Nickl, der in den Ruhestand gegangen ist. „Wir steigern damit unsere finanzielle Flexibilität angesichts des in diesem Jahr erhöhten Liquiditätsbedarfs durch Anleihefälligkeiten und Rechtsstreitigkeiten“, sagte Hartmann. „Zugleich können wir so unsere langfristigen strategischen Prioritäten weiter konsequent umsetzen.“

Hohe Kosten für Glyphosatvergleiche zehren an der Bilanz

Für Vergleiche rund um Glyphosat und PCB hat Bayer allein im ersten Quartal mehr als zwei Milliarden Euro bezahlt, was sich direkt negativ im freien Mittelzufluss (Free Cashflow) zeigt. Durch den negativen Cashflow hatte sich die Nettofinanzverschuldung des Konzerns seit Jahresbeginn auf 32,5 Milliarden Euro erhöht. Die Verschuldung zu senken ist eines der Ziele des Bayer-Vorstandsvorsitzenden Bill Anderson. Seit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto plagen den Konzern hohe Schulden, sie zu reduzieren gelang lange nicht wegen der milliardenteuren Gerichtsprozesse rund um Glyphosat.

Aus Private-Equity-Sicht demonstriert die Vereinbarung zum einen die zunehmende Bereitschaft von Beteiligungsgesellschaften, sich auf Minderheitsbeteiligungen einzulassen. Sie ist zum anderen ein weiterer Schritt in Apollos Investitionsoffensive in Deutschland: Der amerikanische Finanzinvestor will binnen einem Jahrzehnt bis zu 100 Milliarden Dollar in deutsche Unternehmen investieren.

Apollo ist häufig Partner von großen deutschen Unternehmen

Der Finanzinvestor stieg kürzlich mit einer Minderheit in die frühere Verpackungstechnikeinheit von Bosch ein, die heute Syntegon heißt. Gemeinsam mit dem Energiekonzern RWE hält Apollo einen Minderheitsanteil am Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Im klassischen Private-Equity-Geschäft übernahm Apollo von Finanzinvestor Triton mehrheitlich die Gesellschaft Kelvion, die aus dem alten Wärmetauschergeschäft des Maschinenbauers Gea entstanden ist.

Deutschlands größtem Wohnungskonzern Vonovia hat Apollo Immobilienportfolios abgekauft, wodurch Vonovia ein Milliardenbetrag zufloss. Auch außerhalb Deutschlands hat Apollo zunehmend europäische Unternehmen im Blick. Als jüngstes Beispiel haben die Amerikaner ein Gebot für die Fluggesellschaft Easyjet eingereicht.