Facebook-Mutterkonzern : Meta-Chef Zuckerberg will weiter „aggressiv“ in KI-Infrastruktur investieren
Der Internetkonzern wächst langsamer, und sein Nettogewinn ist sogar rückläufig. Die Börse reagiert enttäuscht. Mark Zuckerberg kündigt den Einstieg in neue Geschäftsfelder an.
Meta hat mit seinen am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen für eine Enttäuschung gesorgt: Das Umsatzwachstum des Internetkonzerns hat sich abgeschwächt, und der Nettogewinn war sogar rückläufig. Die Börse reagierte enttäuscht. Der Aktienkurs fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr elf Prozent. Die Meta-Aktie hat sich in jüngster Zeit ohnehin nicht besonders gut geschlagen. Schon vor dem Kursrutsch am Mittwoch hat sie seit Jahresanfang mehr als zehn Prozent an Wert verloren.
Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg versuchte, die Zahlen in ein positives Licht zu rücken. In einer Telefonkonferenz sprach er von einem „starken Quartal“, und er sagte, Initiativen rund um Künstliche Intelligenz beschleunigten „jeden größeren Teil unseres Kerngeschäfts“. Beispielsweise würden sie auf Metas Plattformen wie Instagram und Facebook helfen, Inhalte zu empfehlen und Anzeigen auszuwählen, die für Nutzer relevant seien. KI beschleunige zudem die Entwicklung neuer Produkte.
Zuckerberg kündigte auch an, mit den KI-Initiativen von Meta verstärkt Unternehmenskunden ansprechen zu wollen. Zum Beispiel mit KI-Agenten, aber auch mit dem Vermieten von Computerkapazitäten in seinen Rechenzentren. Letzteres wäre für den Konzern Neuland, und er würde auf diesem Gebiet mit den auf Cloud Computing spezialisierten Sparten von Amazon, Microsoft und Google konkurrieren. Zuckerberg sagte, Meta bekomme viele Anfragen für seine Computerkapazitäten, wolle aber einen großen Teil auch selbst nutzen. „Es gibt annähernd genug Kapazitäten für die ganze Nachfrage.“ Kürzlich berichteten Medien von Gesprächen zwischen Meta und dem KI-Spezialisten Anthropic über die Anmietung solcher Kapazitäten im Wert von 10 Milliarden Dollar.
Meta baut im Moment seine KI-Infrastruktur mit Rechenzentren rasant aus und gibt dafür enorme Summen aus. Wie das Unternehmen am Mittwoch sagte, rechnet es in diesem Jahr insgesamt mit Investitionen von 130 Milliarden bis 145 Milliarden Dollar. Damit passte es das untere Ende der Spanne nach oben an, vor drei Monaten war von 125 Milliarden bis 145 Milliarden Dollar die Rede. Zuckerberg sagte: „Wir investieren aggressiv, weil das Potential riesig ist.“ Das Vermieten seiner Rechenzentren könnte Meta eine neue Einnahmequelle erschließen und dabei helfen, die hohen Investitionen zu rechtfertigen. Bislang erzielt der Konzern mehr als 95 Prozent seiner Umsätze mit Werbung.
Insgesamt meldete Meta für das zweite Quartal ein Umsatzwachstum von 28 Prozent auf 60,8 Milliarden Dollar. Das lag leicht über den Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit 60,2 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Im ersten Quartal hatte es allerdings noch ein Umsatzplus von 33 Prozent gegeben. Und für das dritte Quartal sagte das Unternehmen nun eine weitere Abschwächung voraus, auf 19 bis 25 Prozent.
Der Nettogewinn fiel um 14 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie von 6,18 Dollar lag um mehr als einen Dollar unter den Erwartungen. Der Gewinnrückgang hat vor allem mit dramatisch gestiegenen Kosten zu tun. Allein die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um 67 Prozent auf 21,7 Milliarden Dollar.
Prozesse, Stellenabbau und hohe Abfindungen
Meta verbuchte außerdem Kosten für juristische Auseinandersetzungen in Höhe von 2,4 Milliarden Dollar. Der Konzern befindet sich inmitten einer ganzen Reihe von Rechtsstreitigkeiten, die sich um Risiken seiner Plattformen für Jugendliche drehen. Im März wurde er von einem Gericht im US-Bundesstaat New Mexico zu einer Strafzahlung von 375 Millionen Dollar verurteilt. Hier ging es um den Vorwurf, Meta habe nicht genug zum Schutz junger Nutzer vor sexueller Ausbeutung und Menschenhandel getan.
Kurz danach verlor Meta auch einen Prozess in Los Angeles, in dem es um Suchtgefahren sozialer Medien ging. Hier wurde er zu einer Zahlung von 4,2 Millionen Dollar verurteilt. Meta stand hier zusammen mit dem Wettbewerber Google vor Gericht, der wegen seiner Videoplattform Youtube verklagt wurde und Schadenersatz von 1,8 Millionen Dollar zahlen soll. Für den August ist ein weiterer Prozess gegen Meta im kalifornischen Oakland angesetzt. Das Unternehmen warnte jetzt, „jugendbezogene Angelegenheiten“ könnten für weitere erhebliche finanzielle Belastungen sorgen.
Zu den gestiegenen Kosten haben auch Abfindungszahlungen beigetragen. Meta hat im Frühjahr den Abbau von 8000 Arbeitsplätzen angekündigt, was in etwa zehn Prozent der Belegschaft entspricht. Außerdem sollen 6.000 offene Stellen nicht mehr besetzt werden. Den Beschäftigten wurde zur Begründung mitgeteilt, Meta wolle seine Effizienz erhöhen und einen Ausgleich für Investitionen an anderer Stelle schaffen.
An den Finanzmärkten hat sich in jüngster Zeit verstärkt Skepsis breit gemacht, ob sich die hohen KI-Investitionen auch auszahlen. Die Aktie des Google-Mutterkonzerns Alphabet verlor in der vergangenen Woche sieben Prozent an Wert, nachdem er die Prognose für seine Investitionen in diesem Jahr abermals angehoben hat. Er rechnet nun mit 195 Milliarden bis 205 Milliarden Dollar, zuvor waren es 180 Milliarden bis 190 Milliarden Dollar.
Meta bezahlt seine KI-Investitionen nicht nur aus dem laufenden Geschäft. Erst in dieser Woche kündigte der Konzern den Bau eines 14 Milliarden Dollar teuren Rechenzentrums im texanischen El Paso an, und für dieses Projekt hat er ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Investmentgesellschaft Blackrock gegründet, an dem er nur einen Minderheitsanteil halten wird. Eine ähnliche Struktur hat Meta für ein geplantes Rechenzentrum in Louisiana gewählt, das sogar 50 Milliarden Dollar kosten soll.
Meta hat seine KI-Aktivitäten auch mit Zukäufen verstärkt und zum Beispiel im vergangenen Jahr 14 Milliarden Dollar für eine Beteiligung am KI-Unternehmen Scale AI bezahlt. Das Unternehmen musste zuvor in der Entwicklung von KI-Modellen einige Rückschläge bei der Entwicklung seiner KI-Modelle hinnehmen. Zuckerberg zeigte sich jetzt zufrieden mit Metas jüngstem KI-Modell Muse Spark, das vor wenigen Monaten herausgekommen ist.