Der Tag im Überblick Bittbrief für BMW, Rolle rückwärts bei Volvo

Absturz in China, einbrechende Gewinne und Sparkurs in Deutschland: BMW-Chef Milan Nedeljković (57) hat von seinem Vorgänger Oliver Zipse (62) kein leichtes Erbe übernommen. In den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit musste er schon eine Gewinnwarnung verkünden. Und erst gestern wurde bekannt, dass BMW weltweit 8000 Stellen streichen will – vorwiegend im Führungszirkel.

Die USA sind der neue Hoffnungsmarkt für BMW. Schon vor Monaten suchte Nedeljković dort nach Alliierten – und wurde bei US-Autohändlern mit teils besten Kontakten ins MAGA-Lager fündig. Auch den US-Händlern verhageln Trumps Zölle das Geschäft, wie meine Kollegen Michael Freitag und Franz Anko-Hubik berichten . Einer der mächtigsten von ihnen versucht nun, Trumps Handelsminister Howard Lutnick (65) per Brief für ein neues Modell zu gewinnen, in dem Im- und Exporte miteinander verrechnet werden. Für die Münchner, die massiv aus den USA exportieren, wäre das eine traumhafte Lösung. Welche Erfolgschancen der Schmeichelbrief der US-Handelsfürsten an Trumps Handelsminister hat, lesen Sie hier.

Hofft auf einen Zolldeal: BMW-Chef Milan Nedeljković Ende Juni im US-Werk Spartanburg. Eine Verrechnung von Im- und Exporten würde BMW in den USA nach vorn katapultieren.

Foto: Jason Walle / AP

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Überflieger: Bei Microsoft machen sich die Milliardeninvestitionen bezahlt. Im abgelaufenen Quartal kletterte der Gewinn dank der kräftigen KI-Nachfrage um fast ein Drittel. Im Cloudgeschäft wuchs der Umsatz um 43 Prozent. Die Microsoft-Aktie hob ab – ganz im Gegensatz zum KI-Konkurrenten Meta.

  • Echt jetzt? Die Bahn ist unter Leitung der neuen Chefin Evelyn Palla (53) dank drastischer Kostensenkungen erstmals seit sieben Jahren wieder in die Gewinnzone gefahren. Unterm Strich stand fürs erste Halbjahr ein Ergebnis von 147 Millionen Euro. Baustellen gibt es aber weiterhin reichlich.

  • Etappensieg: Seit Jahren liegt die Münchner Softwarefirma Celonis mit SAP im Clinch und wirft dem Ex-Partner vor, den Wettbewerb zu behindern. Das Bundeskartellamt stellte nun fest: Dafür liegen keine Hinweise vor. In den USA wird aber beherzt weitergestritten.

  • MAGA-Influencer: Wie Elon Musk (55) die Welt sieht, hat er gerade ausführlich in einem Interview mit dem „Economist“ dargelegt. Nun greift der Milliardär erneut in den US-Wahlkampf ein. Seinen Ex- oder Noch-Kumpel Donald Trump (80) wird es freuen.

Die Aufsteigerin des Tages:

  • Wie das Spiel im Sportartikelmarkt läuft, weiß Birgit Kretschmer genau. Bevor die 56-Jährige im Jahr 2021 beim Modehändler C&A anheuerte, war sie mehr als zehn Jahre bei Adidas tätig. Nun soll Kretschmer auf Adidas-CFO Harm Ohlmeyer (58) folgen, der nach fast 30 Jahren vom Platz geht. Zwar geriet die Adidas-Aktie nach Verkündung der Halbjahresbilanz kräftig unter Druck, doch schon Sepp Herberger wusste: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Bekannt in Herzogenaurach: Die neue Finanzchefin Birgit Kretschmer hat vor ihrer Zeit bei C&A bereits für Adidas gearbeitet

Foto: Adidas

Der Umsteiger des Tages:

  • Eine neue Herausforderung hat auch der ehemalige Moderna-CFO und Ex-Goldman-Sachs-Banker Lorence Kim gefunden. Als CFO des Fusions-Start-ups Commonwealth Fusion System (CFS) liefert er sich künftig einen Wettlauf mit mehreren deutschen Wettbewerbern um die nächste Finanzierung. Und der US-Konzern legt vor: Gerade hat CFS eine Milliarde Dollar von Investoren eingesammelt.

Was Sie in Ihrer Karriere voranbringt:

  • Wir alle wollen das Richtige tun, privat und im Berufsleben. Doch unter Stress, Finanz- und Performancedruck ist das nicht immer leicht: Wie man seine Prinzipien identifiziert und Mechanismen schafft, diese unter Druck nicht gleich über Bord zu werfen, dazu haben die US-Professoren Maryam Kouchaki und Isaac Smith geforscht. Sie geben Lesern drei einfache Schritte an die Hand, die es Managern leichter machen sollen, sich selbst treu zu bleiben.

In eigener Sache:

Wir wollen auf LinkedIn noch gezielter über die Themen berichten, die für Sie relevant sind. Deshalb bitten wir um Ihre Einschätzung: Welche Themen wollen Sie öfter bei uns sehen? Was vermissen Sie? Die Umfrage dauert nur wenige Minuten – wir freuen uns auf Ihre Meinung. Zur Umfrage geht es hier entlang .

Meine Empfehlung für den Abend:

Countdown für den Ruhestand: Volvo-CEO Håkan Samuelsson war nie wirklich weg

Foto: Adam Ihse / TT NEWS AGENCY / picture alliance
  • Polestar, der einst zu Volvo gehörende Elektroautobauer, steckt in der Krise. Von ehemals fast 33 Milliarden Dollar Börsenbewertung sind zuletzt weniger als 3 Milliarden Dollar übrig geblieben. Geely-Chef und Volvo-Großaktionär Li Shufu (63) will Polestar nun womöglich ins Unternehmen rückintegrieren , wie meine Kollegin Margret Hucko erfahren hat. Im Zurückholen hat Shufu mittlerweile Übung – auch den langjährigen Volvo-Chef Håkan Samuelsson hatte er aus dem Ruhestand reaktiviert. Die für Polestar diskutierten Optionen reichen von einer verstärkten Kooperation mit Volvo bis hin zu einem Delisting. Polestar-Chef Michael Lohscheller (57) wird bereits als möglicher Nachfolgekandidat für Samuelsson gehandelt.

Viva Retro! In diesem Sinne, Ihnen einen schönen Abend.

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter [email protected] .

Diesen Newsletter finden Sie auch auf unserer Website.