Reese Witherspoon : Feministin mit Geschäftssinn

Reese Witherspoon hat schon wieder eine Erfolgsserie produziert. Wie die Schauspielerin im Filmgeschäft die Strippen zieht.

Die Unterschätzte – so ließen sich diverse Filmfiguren, die Schauspielerin Reese Witherspoon schon verkörpert hat, treffend charakterisieren. Da ist Elle Woods, die in der 2001 erschienenen Komödie „Natürlich blond“ als scheinbar oberflächliches Dummchen ihr Jurastudium in Harvard absolviert und nebenbei noch einen Mordprozess aufklärt. Oder, 18 Jahre später, die TV-Journalistin Bradley Jackson in der Serie „The Morning Show“, die sich von der Reporterin eines Regionalsenders zur Moderatorin der wichtigsten Sendung des amerikanischen Frühstücksfernsehens mausert.

Zwischen den Rollen von Reese Witherspoon und ihrer Person gibt es Parallelen. Oft genug sei sie gegen gläserne Wände gelaufen, sagte Witherspoon in einem Interview einmal. Doch während Bradley Jackson noch um Anerkennung ringen muss, hat sich die Schauspielerin hinter der Figur längst zu einer der mächtigsten Frauen im Filmgeschäft emanzipiert. Und das nicht nur vor der Kamera, sondern vor allem als Produzentin. Ihren Geschäftssinn hat sie gerade erst wieder unter Beweis gestellt mit der Serie „Elle“ – einem sogenannten Prequel zu Witherspoons Erfolgsfilm „Natürlich blond“ –, die von den Teenagerjahren der späteren Jurastudentin Elle Woods handelt. Die neue Produktion wird auf Amazon Prime gezeigt und hat sich dort direkt den ersten Platz der Seriencharts gesichert.

Vom Buchklub zur Verfilmung

Aufgewachsen in Nashville, Tennessee, beginnt die Karriere von Witherspoon Anfang der Neunzigerjahre. Nach „Natürlich blond“ steigt sie als Darstellerin von June Carter, spätere Ehefrau von Johnny Cash, in dessen Filmbiographie „Walk the Line“ endgültig in die Liga der bestbezahlten Schauspielerinnen auf. Doch dann folgt eine Karriereflaute, zu sehr ist sie für Publikum und Produzenten auf romantische Komödien festgelegt, ein „All American Girl“, wenig geeignet für andere Rollen.

Der Umgang Hollywoods mit Frauen, mit älter werdenden insbesondere, frustriert Witherspoon – und inspiriert sie, Filme zu produzieren, in denen weibliche Charaktere in all ihrer Vielschichtigkeit im Mittelpunkt stehen. So jedenfalls geht die Gründungslegende ihres Imperiums, die sie selbst gern erzählt. Feminismus und Geld verdienen, Idealismus und Business, das geht bei Witherspoon vortrefflich Hand in Hand. Ein wichtiger Motor ist dabei „Reeses Book Club“, in dem sie 3,2 Millionen Followern auf Instagram jeden Monat ein Buch mit einer weiblichen Hauptfigur empfiehlt, was immer wieder zu veritablen Erfolgen der Romane führt.

Der Clou ist, dass sich Witherspoon nicht selten schon vorher die Filmrechte sichert. Mit der Produktionsfirma Hello Sunshine hat sie ein Imperium für Filme, Serien und Podcasts geschaffen; Deals gab es schon mit HBO, Apple, Netflix und Hulu. Die Serie „Big Little Lies“, die ebenfalls auf einem Roman basiert und in der neben Witherspoon selbst unter anderem Nicole Kidman und Meryl Streep mitspielen, brachte für Hello Sunshine den Durchbruch.

2021, fünf Jahre nach der Gründung, verkaufte Witherspoon die Mehrheit der Firma zu einer Bewertung von 900 Millionen Dollar an einen Investor. Damit bewies Witherspoon abermals das richtige Gespür, denn damals erreichte der Hype um die Produktionsfirmen der Promis ihren Höhepunkt. Heute ist die Firma, an der Witherspoon weiterhin beteiligt ist, angeblich weniger wert, was maßgeblich am schwierigen Marktumfeld in Hollywood liegt.

Das muss Witherspoon zumindest finanziell nicht kümmern. Im vergangenen Jahr zählte Forbes sie mit einem Vermögen von geschätzt 440 Millionen Dollar zu den reichsten Selfmadefrauen Amerikas.