Betriebsversammlungen angekündigt VW-Betriebsrat sieht Vertrauensverlust der Belegschaft in CEO Blume

Der Betriebsrat von Volkswagen zählt VW-Chef Oliver Blume (58) öffentlich an und will ihn im Rahmen von Betriebsversammlungen dazu bringen, mit der Belegschaft über seine Sparpläne zu sprechen. Ein für Freitag gestelltes Ultimatum, gegenüber den Beschäftigten Stellung zu beziehen, hatte der CEO zuvor verstreichen lassen.

Am Donnerstag hatte Blume in der Aufsichtsratssitzung über seine Pläne für den Wolfsburger Autobauer gesprochen, erhielt aber offenbar eine Abfuhr des Gremiums, das seinen „Zukunftsplan“ mit sieben zu zwölf Stimmen ablehnte. Betriebsratschefin und Aufsichtsratsmitglied Daniela Cavallo (51) hatte Blume schließlich eine Frist gestellt, im Laufe des Freitags gegenüber den Angestellten Stellung zu beziehen und sich zu den Gerüchten über die angeblichen Vorstandspläne zu äußern: Diese beinhalten unter anderem die Streichung von 100.000 Stellen weltweit und die Schließung von vier deutschen Werken, wie das manager magazin im Juni berichtete .

Wie der Betriebsrat in einem Rundschreiben mitteilte, ließ Blume diese Frist verstreichen. Stattdessen habe er in einer Rede vor dem Management Details genannt und dabei unter anderem über die Werke, die wegen fehlender Folgebelegung leerlaufen werden, sowie den geplanten Stellenabbau gesprochen. Darauf reagierte der Betriebsrat empört und verurteilte, dass Blume diese Informationen Beschäftigten außerhalb des Managements vorenthalte.

Vom Vertrauen in Blume „ist inzwischen so gut wie nichts mehr übrig“

Blume halte „es seit Wochen offensichtlich nicht für nötig, zehntausenden völlig verunsicherten, ja verängstigten Beschäftigten die zentralen Fakten zu seinem Zukunftsplan zu nennen“, hieß es in dem Schreiben. „Deswegen muss Dr. Blume nun direkt auf die Beschäftigten treffen: Dafür werden Betriebsversammlungen genutzt.“ Diese setzt der Betriebsrat für nach der Sommerpause, als ab dem 10. August, an. Sie sollen nicht nur im Stammwerk stattfinden.

Das Vertrauen der Belegschaft in ihren CEO sei erschüttert, heißt es in dem Schreiben weiter. Blume habe sich zu Beginn seiner Amtszeit „überall als ’der Olli’ und ’Kind der Region’“ präsentiert und von vielen Angestellten Vorschusslorbeeren erhalten. „Davon ist inzwischen so gut wie nichts mehr übrig.“

Dass sich bei Volkswagen etwas verändern muss, ist sowohl dem Vorstand als auch den Arbeitnehmervertretern klar. Der Konzern steckt in einer schweren Krise. Im zweiten Quartal waren die Absatzzahlen von Volkswagen ein weiteres Mal eingebrochen. Der Aufsichtsrat hatte die Lage des Unternehmens in einer internen Umfrage mit großer Mehrheit als „existenzgefährdet“ bezeichnet.

Betriebsrätin Carvallo hatte zuletzt ihrerseits Vorschläge zur Sanierung von Volkswagen gemacht und diese als Alternative zu „aktivistischen Kurzfrist-Lösungen wie Werksschließungen, Sparwut und Arbeitsplatzabbau nach der Rasenmäher-Methode“ präsentiert. So fordert sie, dass der Vorstand verkleinert und personell neu aufgestellt werde.