Streamingdienst : Die Kurswechsel von Netflix

Der Streamingpionier hat in den vergangenen Jahren einen neuen Weg nach dem anderen beschritten und ist heute kaum wiederzuerkennen. Er scheint nicht mehr so unerschütterlich wie früher.

Der Streamingdienst ähnelt mehr und mehr den traditionellen Unterhaltungskonzernen, von denen er sich in der Vergangenheit demonstrativ abgegrenzt hat. Vor einigen Monaten bemühte er sich sogar um die Übernahme von Warner Bros. Discovery, einem Vertreter dieser alten Hollywood-Garde. Nach einem Bieterkampf bekam dann aber der Wettbewerber Paramount Skydance den Zuschlag.

Es gibt mehrere mögliche Lesarten dafür, dass Netflix einen neuen Weg nach dem anderen beschreitet. Die positive Deutung ist, dass das Unternehmen aus einer Position der Stärke heraus flexibel und unideologisch auf veränderte Marktverhältnisse reagiert. Eine weniger erfreuliche Interpretation wäre, dass Netflix sich im Wettbewerb für angreifbarer hält und entsprechenden Handlungsdruck verspürt.

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen, und auch die jetzt vorgelegten Geschäftsergebnisse liefern keine eindeutige Antwort darauf. Der Streamingdienst weist noch immer zweistellige Wachstumsraten aus, allerdings haben sie sich zuletzt etwas abgeschwächt. Die Börse blickt seit dem Warner-Übernahmemanöver nervöser auf Netflix, der Aktienkurs ist erheblich gefallen. Ein beunruhigendes Signal ist auch, dass das Unternehmen verschlossener geworden ist. Es hat jetzt angekündigt, nicht mehr so oft zu veröffentlichen, wie viel Zeit die Abonnenten auf der Plattform verbringen. Unlängst hat es auch schon aufgehört, vierteljährlich Angaben zu Abonnentenzahlen zu machen.

Ohne Zweifel ist Netflix weiter in einer beneidenswerten Marktposition. Aber der Streamingpionier scheint heute nicht mehr so unerschütterlich wie noch vor wenigen Jahren.