Nach weiteren Verzögerungen Bahn stellt Sanierungskonzept auf den Prüfstand
Das Vertrauen in die Deutsche Bahn hat in den vergangenen Jahren schwer gelitten – der bundeseigene Konzern hat sich daher zum Ziel gesetzt, mit drei Maßnahmenpaketen schnell für bessere Stimmung unter den Fahrgästen zu sorgen. Bahnchefin Evelyn Palla (53) und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (58, CDU) stellten nun ihren Weg zu einer besseren Kundenkommunikation vor.
Im Mittelpunkt der Offensive stehen dabei KI-Lösungen, vor allem aber soll auf allen Kanälen künftig gleichzeitig dieselbe Information verbreitet werden, damit die Fahrgäste bei ihren Reisen nicht durch unterschiedliche Anzeigen verwirrt und frustriert werden.
Immer wieder Verzögerungen
Dass es bei den langfristigen Lösungen, die einmal auch zu mehr Pünktlichkeit führen sollen, im Moment nicht richtig rund läuft, konnte damit aber kaum kaschiert werden. Die Strecke Nürnberg-Regensburg, die seit Februar voll gesperrt und modernisiert wird, soll nicht wie geplant an diesem Freitag wieder in Betrieb gehen, sondern erst drei Wochen später am 31. Juli. Schon bei der Sanierung Hamburg-Berlin kam es zu Verzögerungen von mehreren Wochen.
Sanierungskonzept kommt auf den Prüfstand
Palla will deshalb das Konzept der sogenannten Generalsanierungen überarbeiten. Sie habe entschieden, dass „die Art und Weise, wie wir mit der Korridorsanierung umgehen, wie wir planen, wie wir umsetzen, wie wir in Betrieb nehmen“ noch mal umfassend auf den Prüfstand gestellt werde, sagte die Bahnchefin bei dem gemeinsamen Auftritt mit dem Verkehrsminister.
Die Deutsche Bahn will bis Mitte der 2030er-Jahre rund 40 besonders wichtige Strecken grundlegend sanieren und so dafür sorgen, dass es auf der Schiene wieder pünktlicher und zuverlässiger zugeht. Doch die aufwendigen Bauarbeiten mit mehrmonatigen Sperrungen der jeweiligen Strecken bedeuten stets erhebliche Einschränkungen für die Fahrgäste und die Wettbewerber im Güterverkehr.
Besonders ärgerlich sind dann Verzögerungen bei der Wiederinbetriebnahme, wie die Bahn sie jetzt zum zweiten Mal bei einer solchen Sanierung verkünden musste. Vor Nürnberg-Regensburg musste dieses Jahr bereits die vollständige Wiederinbetriebnahme von Hamburg-Berlin um mehrere Wochen verschoben werden.
Bundesverkehrsminister Schnieder betonte, dass nach jeder Strecken-Sanierung hauptsächlich die Kosten und Zeitabläufe evaluiert und kritisch betrachtet würden. „Und wir haben nun Anlass, das sehr sorgfältig zu tun“, sagte der CDU-Politiker. Das Konzept grundsätzlich infrage stellen wolle er nicht.
Die längeren Vollsperrungen sind der Kernbestandteil des milliardenschweren Sanierungskonzepts. Sie werden gebraucht, um in kürzerer Zeit möglichst viele Bauarbeiten gebündelt abarbeiten zu können. Auf den Strecken werden in der Regel auch zahlreiche Bahnhöfe modernisiert.
Bei den Wettbewerbern der Bahn und Teilen der Politik wird das Konzept zunehmend kritisch gesehen, weil es etwa für den Güterverkehr lange Umwege vorsieht und auch für betroffene Fahrgäste in den Regionen eine große Belastung ist. Angesichts des schlechten Zustands der Infrastruktur gibt es aber auch keine glaubwürdigen Alternativen. Nach einer sogenannten Generalsanierung soll der Verkehr auf den jeweiligen Strecken deutlich zuverlässiger fahren und sich vor allem die Zahl der Störungen etwa an Stellwerken oder Weichen deutlich reduzieren.
KI soll Reiseinfos verbessern
Während sich an der Unzuverlässigkeit auf der Schiene derweil wenig bessert, will die Bahn zumindest dafür sorgen, dass Fahrgäste künftig besser informiert werden. Dabei setzt der bundeseigene Konzern insbesondere auf künstliche Intelligenz. Unter anderem soll eine KI-Assistenz namens Kiana auf der Internetseite der Bahn sowie im DB Navigator integriert werden. Hier könnten Reisende individuelle Auskünfte zu ihrer Fahrt erfragen und sich zum Beispiel gewünschte Verbindungen heraussuchen lassen.
Bahn arbeitet an App mit Echtzeitinformationen
Zum anderen sollen in den Leitstellen mit KI eingehende Informationen zu Störungen schneller verarbeitet und in die relevanten Kundenkanäle weitergegeben werden. Zurzeit dauert es oft 60 Sekunden, bis eine Information auf den Anzeigern am Bahnsteig auch den Weg in die App DB Navigator finde. Künftig sollen es maximal 2 Sekunden Verzögerung sein.
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Die Bahn arbeitet außerdem an einer weiteren App. Diese soll unter der Marke „DB Info“ ab Dezember verfügbar sein und Echtzeitinformationen zu individuellen Reiseketten liefern. Bisher ließen Informationen für Reisende bei Verspätungen oder Zugausfällen oft zu wünschen übrig.