Finance Forward Berenbergs Bilanzakrobatik

seit 105 Tagen ist Mike Dargan (48) nun als CEO der Berliner Digitalbank N26 im Amt – und die Schonfrist damit offiziell vorbei. Pünktlich zum Ende der Einarbeitungszeit hat der ehemalige UBS-Banker einen Großumbau im Vorstand angekündigt. Das inoffizielle Motto? Würde ich mal so zusammenfassen: mehr Corporate, weniger Start-up. Die Namen der Neuen (und der Ausgeschiedenen) findet ihr weiter unten. Unsere weiteren Themen der Woche:

  • Der neue Flex bei Fintech-Gründern? Eine Festanstellung

Topstory: Bilanzakrobatik bei der Berenberg Bank

Geld verbindet: Hendrik Riehmer (l.) und Hans-Walter Peters waren lange das Duo an der Berenberg-Spitze

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Seit 1590 steht der Name Berenberg für hanseatische Kaufmannstugenden: ehrbar, seriös, beständig. Doch eine Affäre um fragwürdige Geschäfte setzt dem guten Ruf der Hamburger Privatbank ordentlich zu. Eine Sonderprüfung von EY förderte einiges zutage – unter anderem Transaktionen, die nach Ansicht von Kritikern das Zeug hatten, den Gewinn und den Kapitalbedarf der Bank aufzuhübschen. Die Befunde waren offenbar so gravierend, dass die Finanzaufsicht Bafin nur wenige Tage nach Eingang der Ergebnisse durchgriff: Sie ließ die Befugnisse der gesamten Geschäftsleitung mit sofortiger Wirkung ruhen. Im Mittelpunkt des Berenberg-Bebens: Hendrik Riehmer (58), einer der drei persönlich haftenden Gesellschafter, den das manager magazin einst als „Wolf of Jungfernstieg“ porträtierte. Riehmer hatte Berenberg vom diskreten Vermögensverwalter zur wohl aggressivsten Investmentbank der Republik umgebaut. Weggefährten beschreiben ihn als dealhungrig, hartnäckig und wenig zimperlich. Genau dieser Radikalkurs dürfte jetzt auch zu seinem Sturz beigetragen haben. „Die Erkenntnisse aus der Sonderprüfung waren so gravierend, dass es kaum eine andere Möglichkeit gab“, sagte ein Insider meiner Kollegin Katharina Slodczyk. Gemeinsam mit meinen Kollegen Michael Freitag und Dietmar Palan hat sie rekonstruiert, wie der spektakuläre Fall seinen Lauf nahm, was hinter verschlossenen Türen wirklich geschah – und welche Folgen die Affäre noch nach sich ziehen könnte. Die ganze Recherche lest ihr hier.

Köpfe: Mike Dargan ++ Nathalie Picquot ++ Marcin Pakulnicki ++ Gino Cordt ++ Timo Meyer ++ Björn Goß ++ Paul Grewal ++ Dennis Daiber ++ James Fry

Umbau im N26-Vorstand: Santander-Managerin Nathalie Picquot wird neue Chief Growth and Marketing Officer

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  • Mike Dargan (48), CEO der Berliner Neobank N26, baut seine Führungstruppe um. Motto: mehr Großbank, weniger Start-up. Marcin Pakulnicki von der ING Group soll ab September den bisherigen Technologiechef Gino Cordt ersetzen. Ab Oktober stößt zudem die Santander-Managerin Nathalie Picquot hinzu, die den Marketingchef Timo Meyer (31) ablösen wird. Cordt und Meyer, beides prägende Figuren, scheiden nach elf Jahren aus, wie N26 am Dienstag mitteilte.

  • Björn Goß (38) verkaufte seine Kundenkarten-App Stocard einst für rund 110 Millionen Euro an die schwedische Payment-Firma Klarna. Seit einiger Zeit arbeitet er an einem neuen Start-up: Mit Skalar möchte der Unternehmer mithilfe von KI eine Buchhaltungs- und Steuerkanzlei aufbauen. Wagniskapitalgeber Headline, Futurepresent, QED Investors und weitere haben jetzt 12 Millionen Euro in die Accounting-Firma gesteckt – eine aktuell stark umkämpfte Branche.

  • Paul Grewal (54) gibt seinen Posten als Chefjustiziar der US-Kryptobörse Coinbase auf. CEO Brian Armstrong (43) verliert damit einen seiner wichtigsten Mitarbeiter. Grewal gilt als Schlüsselfigur in der Lobbyschlacht um den „Clarity Act“ gegen die Bankenindustrie, mit der das Unternehmen zinsähnliche Erträge auf Kryptowährungen durchsetzen will.

  • Dennis Daiber (48), CEO der Berliner Kryptofirma Bitwala, freut sich über ein Comeback im Heimatmarkt. Daibers App – ehemals bekannt unter dem Namen Nuri – war 2022 nach einer Insolvenz aus Deutschland verschwunden, regulatorische Fragen erschwerten die Rückkehr. Seit Juli ist Bitwala dank einer neuen MiCa-Lizenz wieder zurück.

  • James Fry, Produktexperte beim Zahlungsanbieter Global Payments, zieht in den Beirat der „Buy now, pay later“-Firma Green Banana ein. Im Gremium sitzt bereits der Szenekopf und N26-Vorstand Marcus Mosen (62). Über die Plattformen können Onlineshops unterschiedliche Rechnungs- und Ratenkaufanbieter anbinden.

In eigener Sache: Bewerbt euch mit euren KI-Projekten

Mit dem AI Impact Award zeichnen das manager magazin und Porsche Consulting wegweisende Anwendungen von künstlicher Intelligenz in Unternehmen aus. Wir würdigen damit konkrete Projekte und Pionierleistungen, die bereits echten wirtschaftlichen Mehrwert schaffen. Wenn ihr selbst ein solches KI-Projekt betreibt oder eines vorschlagen wollt, bewerbt euch hier für den AI Impact Award 2027 .

Margin Call: Der neue Flex der Supergründer? Eine Festanstellung

Selfmade-Milliardär: Monzo-Gründer Tom Blomfield (3. v. l.) mit seinen einstigen Neobank-Rivalen Nik Storonsky (l., Revolut) und Valentin Stalf (N26) bei einer Konferenz im Jahr 2017

Foto: Getty Images for TechCrunch

Milliarden-Exit, Seriengründung, dann CEO von drei Firmen gleichzeitig? Das war gestern. Der neue Flex der Superunternehmer heißt: wieder angestellt sein. Tom Blomfield (40) macht es vor. Der Mitgründer der britischen Fintech-Einhörner GoCardless und Monzo hatte sich 2021 eigentlich zur Ruhe gesetzt. Lediglich ein Nebenjob bei der kalifornischen Gründerschmiede Y Combinator trennte ihn noch vom Renteneintritt mit 35 Jahren. Jetzt will der Selfmade-Milliardär es aber noch einmal wissen. Nicht als CEO. Nicht als Chairman. Nicht mal als Chief Blablabla Officer. Sondern als das, was im Silicon Valley eigentlich als Endstation der Einfallslosigkeit gilt: als Angestellter. Ab sofort wirkt Blomfield beim KI-Giganten Anthropic als „technischer Mitarbeiter“ in der Abteilung für Recheninfrastruktur mit, wie er via X mitteilte. Den Job hat ihm wohl ein alter Arbeitskollege vermittelt. Blomfield und Anthropic-Mitgründer Tom Brown kennen sich aus ihrer Zeit bei der inzwischen gescheiterten Dating-App Grouper. Jetzt also Frontier AI statt großer Liebe. Was gleich bleibt: dabei sein ist alles.

Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch gern unter [email protected] . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.